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Kleingewerbe anmelden 2026: Alles was Sie wissen müssen

Kleingewerbe anmelden Selbstständigkeit

Ein Kleingewerbe ist der unkomplizierteste Einstieg in die Selbstständigkeit. Kein Notar, kein Handelsregister, kein Mindestkapital. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die Sie vorher wissen sollten — denn auch ein Kleingewerbe hat Pflichten, die man nicht ignorieren kann.

Was genau ist ein Kleingewerbe?

Juristisch gibt es den Begriff „Kleingewerbe” gar nicht im Gesetz. Gemeint ist ein Gewerbebetrieb, der nicht kaufmannseigenschaften nach HGB erfüllt — also kein Handelsregister-Eintrag nötig ist. In der Praxis: Solo-Selbstständige oder kleine Unternehmen mit überschaubarem Umsatz, die nicht als Vollkaufleute gelten.

Oft wird „Kleingewerbe” mit der Kleinunternehmerregelung verwechselt — das sind aber zwei verschiedene Dinge. Kleingewerbe = Rechtsform. Kleinunternehmerregelung = Steuerliche Option. Man kann ein Kleingewerbe mit oder ohne Kleinunternehmerregelung führen.

Schritt für Schritt: Kleingewerbe anmelden

Schritt 1: Gewerbe anmelden

Beim Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde. In vielen Kommunen online möglich — Suchbegriff: „Gewerbeanmeldung [Ihre Stadt]”. Kosten: 20 bis 60 Euro, je nach Stadt. Benötigt: Personalausweis, ausgefüllter Gewerbeschein (Tätigkeitsbeschreibung möglichst breit formulieren, damit Sie später nicht erneut anmelden müssen).

Schritt 2: Finanzamt — Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Das Finanzamt meldet sich nach der Gewerbeanmeldung automatisch. Seit 2021 läuft das ausschliesslich über ELSTER (online). Hier wählen Sie u.a., ob Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen möchten. Entscheidung gut überlegen — ein Wechsel ist zwar möglich, bindet aber für fünf Jahre.

Schritt 3: Steuernummer erhalten

Das Finanzamt vergibt eine Steuernummer für Ihr Gewerbe. Bis die da ist (2-6 Wochen), können Sie trotzdem schon arbeiten — nur keine Rechnungen mit Umsatzsteuer ausstellen, bis Sie die USt-IdNr. haben (falls Sie nicht Kleinunternehmer sind).

Schritt 4: IHK-Mitgliedschaft

Automatisch nach Gewerbeanmeldung. Als Kleingewerbetreibender zahlen Sie einen reduzierten Beitrag — im ersten Jahr oft unter 50 Euro, danach je nach Gewinn 100-200 Euro. Nervt, ist aber Pflicht.

Kleinunternehmerregelung: Ja oder nein?

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

§19 UStG: Wenn Ihr Umsatz im Vorjahr unter 22.000 Euro lag und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 Euro bleibt, können Sie auf die Umsatzsteuer verzichten. Sie stellen Rechnungen ohne Mehrwertsteuer aus — weniger Bürokratie, keine Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Wann lohnt sie sich?

Wenn Ihre Kunden Endverbraucher (B2C) sind. Diese können keine Vorsteuer abziehen — für sie ist Ihr Preis ohne MwSt. günstiger. Wenn Sie wenig Betriebsausgaben mit Umsatzsteuer haben (keine teuren Anschaffungen, wenig Material).

Wann lohnt sie sich nicht?

Wenn Ihre Kunden Unternehmen (B2B) sind — die ziehen die MwSt. als Vorsteuer ab, also ist es ihnen egal. Wenn Sie hohe Investitionen planen (Computer, Maschinen, Fahrzeug) — dann wollen Sie die Vorsteuer zurückbekommen.

Steuern im Kleingewerbe

Einkommensteuer

Ihr Gewinn wird zusammen mit Ihrem sonstigen Einkommen (Gehalt, Mieteinnahmen etc.) versteuert. Kein separater Steuertarif — es gilt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz (14-45 Prozent).

Gewerbesteuer

Erst ab einem Gewinn von 24.500 Euro. Darunter fällt keine Gewerbesteuer an. Und selbst darüber wird sie auf die Einkommensteuer angerechnet — effektive Mehrbelastung oft gering.

Umsatzsteuer

Nur wenn Sie nicht die Kleinunternehmerregelung nutzen. Dann: 19 Prozent (bzw. 7 Prozent ermässigt) auf Ihre Rechnungen aufschlagen, Umsatzsteuer-Voranmeldung (monatlich oder quartalsweise) beim Finanzamt einreichen.

Buchführung: Was ist Pflicht?

Kleingewerbetreibende profitieren von der einfachen Gewinnermittlung (Einnahmenüberschussrechnung, EÜR). Keine Bilanz, keine doppelte Buchführung. In der Praxis heisst das: Einnahmen und Ausgaben sauber dokumentieren, Belege aufbewahren (10 Jahre), am Jahresende eine EÜR erstellen.

Tools wie lexoffice, sevDesk oder SumUp machen das fast automatisch — ab 5 Euro im Monat. Excel geht auch, ist aber fehleranfällig und zeitaufwendig.

Pflichten, die man gerne vergisst

Impressum auf der Website (ab dem ersten Tag!). Datenschutzerklärung (DSGVO-konform). Aufbewahrungspflicht für Belege (10 Jahre). Rentenversicherung für bestimmte Selbstständige (z.B. Handwerker, Lehrkräfte, Pflegepersonal). Berufsgenossenschaft (Pflicht, auch wenn Sie keine Mitarbeiter haben — die Beiträge sind aber oft minimal).

Wann wird aus dem Kleingewerbe mehr?

Wenn der Umsatz regelmässig über 600.000 Euro oder der Gewinn über 60.000 Euro liegt, werden Sie kaufmannspflichtig — Handelsregistereintragung, doppelte Buchführung, Bilanzierung. In diesem Fall lohnt sich oft der Wechsel zur GmbH.

Auch ohne diese Grenzen kann ein Wechsel sinnvoll sein: Wenn die Haftung ein Thema wird, wenn Investoren einsteigen sollen oder wenn die steuerliche Belastung als Einzelunternehmer zu hoch wird (ab ca. 70.000-80.000 Euro Gewinn ist die GmbH oft steuerlich vorteilhafter).

Häufig gestellte Fragen

Kann ich ein Kleingewerbe neben dem Job führen?

Ja. Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag auf Nebentätigkeitsklauseln und informieren Sie Ihren Arbeitgeber. Solange kein Wettbewerb besteht und die Arbeitsleistung nicht leidet, kann der Arbeitgeber in der Regel nicht verbieten.

Was kostet ein Kleingewerbe im Jahr?

Gewerbesteuer: 0 Euro (unter 24.500 Euro Gewinn). IHK: 50-200 Euro. Buchhaltungssoftware: 60-200 Euro. Versicherungen: je nach Bedarf. Insgesamt: ein paar hundert Euro — deutlich weniger als eine GmbH.

Brauche ich einen Steuerberater?

Für die EÜR eines einfachen Kleingewerbes nicht zwingend. Eine gute Buchhaltungssoftware reicht. Sobald es komplexer wird (mehrere Einnahmequellen, Investitionen, Auslandsumsätze), lohnt sich professionelle Hilfe.

Kann ich das Kleingewerbe jederzeit abmelden?

Ja, kostenlos beim Gewerbeamt. Vergessen Sie nicht, auch das Finanzamt zu informieren und offene Steuererklärungen abzugeben. Eine Abmeldung dauert weniger als 15 Minuten.

Ein Kleingewerbe ist der schnellste und günstigste Weg, legal Geld zu verdienen, ohne gleich die volle Unternehmensstruktur aufzubauen. Ideal zum Testen einer Idee, als Nebenverdienst oder als Vorstufe zu etwas Grösserem. Und wenn es wächst? Dann haben Sie ein schönes Problem — und die passende Gründer-Checkliste für den nächsten Schritt.